Das fuchst mich jetzt aber

Samstag, 14.06.2008, 14:59 | Allerlei, Gesundheit | Armin

Auf dem Weg nach Grünenwald, sass ich nachtessenderweise auf dem Beifahrersitz meines geliebten Autos, während einer meiner Mitbewohner und gleichzeitig wackerer ausgangstechnischer Mitstreiter das Fahrzeug lenkte.
Als wir gegen 23 Uhr Wolfenschiessen bereits passiert hatten, stellte sich uns plötzlich ein wahnsinniges, rotbraunes und selbstmordgefährdetes Ungetüm in den Weg. Da gerade kein weiteres Fahrzeug in Sicht war, versuchte der kühne Fahrer mit einer sanften Korrektur der Fahrspur den Fuchs zu retten und den fahrbaren Untersatz vor weiterem Schaden zu bewahren.
Der listige Reinecke aber, der anscheinend einen schlechten Tag hatte, stürzte sich lebensmüde direkt vor das Fahrzeug, welches (völlig überraschend) sich als stabiler als der Schädel des Wildtieres erwies.
Nach einem kurzen Wendemanöver (Nein, wir überführen ihn nicht ein zweites Mal…), einem Halt auf dem Bürgersteig und einem kurzen Telefonat mit der Kantonspolizei, wussten wir auch was zu tun war.
Als erstes galt es, denn Zustand des Fuchses zu überprüfen, als erfahrener Sanitätssoldat war ich dafür natürlich der geeignete Mann.
Kurze Erinnerung an das gelernte – HHHH ABCDE

Hazards: Gefahren für mich und Andere -> also Leuchtweste angezogen, Taschenlampe aus Handschuhfach genommen
Hello: Ist der Patient ansprechbar? (Nein, er hat irgendwie nicht geredet…)
Help: Hilfe holen (Polizei war ja schon informiert)
Hemorrhage: Starke Blutungen feststellbar? (Ja, da hat es eine Pfütze am Boden)
Airways: Sind die Atemwege frei? Wenn nicht, freiräumen.
Breathing: Atmet der Patient selbstständig? Wenn nicht, mit 2 Atemstössen beatmen, Atmung noch einmal überprüfen.
Circulation: Puls vorhanden? Wenn nicht, CPR einleiten (abwechselnd 30 Kompressionen auf den Brustkorb (2 Finger breit über dem Brustbein oder (Achtung bei älteren Patientinnen) zwischen den Nippeln) und 2 Atemstösse (keine lange Unterbrechung zwischen Kompressionen und Atemstössen… bei Unsicherheit nur die Kompressionen (ca. 100 pro Minute))
Defibrilation: Wenn möglich einen AED (Automatischer externer Defibrilator) in Betrieb nehmen.
Environment: Wenn die bisherigen Massnahmen erfolgreich waren, den Patienten vor Umwelteinflüssen schützen. (Schutz vor Regen, Kälte, Hitze, etc.)

Da aber der Fuchs auf die Kontaktaufnahme mit unserem Fahrzeug, mit spontaner Verteilung der Hirnmasse auf dem Boden reagierte, erübrigten sich sämtliche Punkte meiner Sanitätsausbildung. Also zog ich den Fuchs auf das Trottoir, wo er schliesslich auf die Abholung warten durfte.
An diesem Abend war ich sehr froh, dass ich Latexhandschuhe im Auto habe.
Übrigens: Fahrt vorsichtig! Und wenn ein Tier vor euch steht, weicht nur sanft aus und nur dann, wenn ihr dadurch niemanden (auch nicht euch selbst) gefährdet, denn wenn aus eurem Ausweichmanöver ein Schaden entsteht, seid ihr Schuld und nicht der Fuchs.

Armin

Und jetzt eine Schweigeminute im Gedenken an die Angehörigen des Fuchses.

2 Kommentare:

  1. Ivo hat geschrieben:

    Als erfahrener Skandinavien-Befahrer (im letzten Sommer von Helsinki bis Stockholm gefahren) weiss ich die goldene Tierregel: nicht lenken, nur bremsen, aber wichtig: hupen! Das scheucht die Tiere ein bisschen auf und bringt sie vielleicht weg von der Strasse. Und noch was (frei zitiert von einer Quelle, die ich nicht mehr weiss): Wenn es sich bei dem Tier um einen Elch, Elefanten, Einhorn oder ähnlich grosses Tier handelt, sollte man ein paar Meter vor dem Zusammenstoss die Bremse lösen, damit sich das Auto nach hinten neigt und sich der Elch nicht durch die Windschutzscheibe zu den Passagieren im Auto gesellt.

  2. Armin hat geschrieben:

    “frei zitiert von einer Quelle, die ich nicht mehr weiss” -> Das nennt sich Freestylezitat(!) aus unbekannter Quelle; Ein Begriff eingeführt von mir, letzten Montag im Eintrag zum Pet Recycling.

    Wenn es denn wenigstens ein Elch, Reh, Hirsch, Pferd, Einhorn gewesen wäre, hätte man dafür Fleisch bekommen!
    Aber guter Tipp, die Bremse lösen!

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